Dienstag, 29. Januar 2013

Kooperation

„Kooperation ist gekennzeichnet durch den Bezug auf andere, auf gemeinsam zu erreichende Ziele bzw. Aufgaben, sie ist intentional, kommunikativ und bedarf des Vertrauens. Sie setzt eine gewisse Autonomie voraus und ist der Norm von Reziprozität verpflichtet.“ (Spieß, 2004, S. 199) Reinmann bezieht sich in ihrer Definition bzw. der Unterscheidung zum Begriff der „Kollaboration“ vor allen auf den Terminus der „Arbeitsteilung“ (Reinmann, 2008, S. 67), welcher besonders im englischsprachigen Raum als Unterscheidungsmerkmal zwischen den beiden Begriffen „Kooperation und Kollaboration“ dient. Bei Kooperationen teilen sich die Mitglieder die Arbeit auf. Jedes Mitglied hat dabei seine oder ihre Arbeit zu erledigen. Die Zusammenfügung der Teile ergibt dann die Gesamtheit der Arbeit. Lernen in Teams und Kleingruppen ist charakteristisch für kooperatives Lernen. „Versteht man Lernen unter anderen als einen sozialen Prozess, liegt die Folgerung nahe, bei der Gestaltung von Lernumgebungen auch kooperatives und/oder kollaboratives Lernen zu fördern.“ (Reinmann, 2008, S. 68) Grote und Cordes Ansatz in ihrem Artikel „Web 2.0 als Inhalt und Methode in Fortbildungsangeboten zur E-Kompetenzentwicklung“ sieht dabei Kooperation und selbstgesteuertes Lernen vermehrt in virtuellen Räumen des Web 2.0. Hervorgehoben sei dabei die Tatsache, dass „in diesem Kontext sowohl an die Lernenden als auch an das Lehrpersonal neue Anforderungen hinsichtlich ihrer Kenntnisse und Fertigkeiten“ (Grote & Cordes, 2009, S. 197) gestellt werden. Damit kann der Bogen zu dem in Kapitel 2.3.3. behandelten Kompetenzbegriff gespannt werden, der als wesentlicher Faktor für Kooperation eingestuft wird. In weiterer Folge unterstreichen die Autoren Web 2.0 Anwendungen und E-Learning in Bezug auf Kooperation und Zusammenarbeit an Hochschulen und Schulen, „um auf einfache Weise eine lernerorientierte Gestaltung von Bildungsangeboten und die Unterstützung kooperativer und selbstorganisierter Lernprozesse zu fördern“ (Grote & Cordes, 2009, S. 197)
Abschließend muss aber festgestellt werden, obwohl sich viele erziehungswissenschaftliche Beiträge in der Fachlitertur mit der Kooperation zwischen Lehrkräften beschäftigt haben, hat das Thema der Kooperation in Deutschland innerhalb der Lehrerschaft keinen sehr hohen Stellenwert. „Viele empirische Studien belegen den untergeordneten Stellenwert der Kooperation von Lehrkräften in Kollegien; ein Trend zu mehr Zusammenarbeit lässt sich dabei insgesamt nicht feststellen.“ (Gräsel, Fußangel, & Pröbstel, 2006, S. 205) Altrichter spricht schon 1996 von der Schule als „zelluläre Organisation“, in welcher die Lehrkräfte einzig für ihre Klassen verantwortlich sind. „Zusammenarbeit ist in Schulen allenfalls vorgesehen und nicht obligatorisch.“ (Gräsel, Fußangel, & Pröbstel, 2006, S. 206)
Interssant erscheint aber anderseits die Tatsache, dass Ansätze in der Lehrerbelastungsforschung aufzeigen, dass gerade Kooperation und Kollaboration bzw. „wahrgenommene Unterstützung durch KollegInnen und Kollegen sowie als produktiv und angenehm eingeschätzte Arbeitsbeziehungen…als (kleiner) Schutzschild gegen Arbeitsunzufriedenheit und Burnout betrachtet werden.“ (Gräsel, Fußangel, & Pröbstel, 2006, S. 205) Hier kann auch die Überleitung zur untersuchten Organisation gemacht werden, denn Kooperation und Zusammenarbeit können die Chance sein, die schwindende Motivation der Lehrkräfte zu bündeln und ein Umdenken einzuleiten.




Aus: Blended Learning als Chance der Wissensvermittlung und Verbesserung kollaborativer Zusammenarbeit von LehrerInnen, Mittl Oliver 2012

Literatur:
Gräsel, C., Fußangel, K., & Pröbstel, C. (März/April 2006). Lehrkräfte zur Kooperation anregen - eine Aufgabe für Sisyphos? Zeitschrift für Pädagogik , S. 205-219.Grote, B., & Cordes, S. (2009). Web 2.0 als Inhalt und Methode in Fortbildungsangebot zur E-Kompetenzentwicklung. In N. H. Apostolopoulos, E-Learning 2009 - Lernen im digitalen Zeitalter (S. 197-208). Münster / New York / München / Berlin: Waxmann Verlag GmbH.
Reinmann, G. (2008). Blended Learning in der Lehrerbildung. Lengerich: Pabst Science Publishers.

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