Montag, 28. Januar 2013

Kollaboration...Kooperation

Im Folgenden sollen die Begriffe der Kollaboration und der Kooperation genauer beleuchtet werden. Im Gegensatz zum englischsprachigen Raum werden diese beiden Begriffe im deutschsprachigen Raum zumeist als eine Begrifflichkeit verstanden. Betrachtet man die Bedeutung beider Termini aber genauer, so findet man heraus, dass die „Bezeichnung “kollaboratives Lernen“ eine stärkere Gemeinschaftsarbeit im Vergleich zum “kooperativen Lernen“  (Ojstersek & Adamus, 2009, S. 2) zu Folge hat. Nach „Reinmann-Rothmeier & Mandl (1999) verfolgen beim Kollaborativen Lernen alle Beteiligten ein gemeinsames Ziel“  (Ojstersek & Adamus, 2009, S. 2), und Salomon (2002) stellt des weiteren fest, dass die Anforderungen an den Einzelnen beim Kollaborativen Lernen weit höher sind, „da es sowohl individuelles Lernen, Engagement in einer Lerngemeinschaft als auch die Unterstützung und Förderung von anderen beinhaltet.“ (Ojstersek & Adamus, 2009, S. 2) Bezugnehmend auf die vorliegende Arbeit und basierend auf der  Tatsache, dass der Einsatz von Blended Learning auch eine  Änderung der Planung und Vorbereitung des Unterrichts zu Folge hat, soll hier in weiterer Folge auch Bezug auf Seufert und Schrack genommen werden. Damit kann auch die Brücke zu der Forschungsfrage geschlagen werden, denn Kollaboration und Zusammenarbeit im Schulalltag haben zumeist ein Ziel – die Verbesserung des Unterrichts und die Steigerung der Effizienz. Ohne ein didaktisches Konzept (Seufert, 2002, S. 45-48) verknüpft mit der nötigen digitalen Kompetenz - Basic skills entwickeln sich zu Key Competences - (Schrack, 2010), erscheint der Einsatz von E-Learning oft enttäuschend, und dessen Potential kann nicht ausgeschöpft werden.
Mayer, Resinger und Schratz haben in ihrer Untersuchung „E-Learning im Schulalltag“gezeigt, dass es durch eine regelmäßige Auseinandersetzung mit dem Thema E-Learning und Blended Learning bei den LehrerInnen zu einer Sicherheit im Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien kommt. Dies wiederum hat zur Folge, dass „im Umgang mit E-Learning erworbene Wissen wurde vor allem unter den FachKollegInnen sowie den KlassenLehrerInnen ausgetauscht und vertieft“ (Mayr, Resinger, & Schratz, 2009, S. 100 f.) wurde. In weiterer Folge konnte auch festgestellt werden, dass es auch im Bereich der Schulentwicklung bzw. Vernetzung innerhalb der KollegInnen zu effektiverer Zusammenarbeit kommt bzw. „eine Verdichtung des Wissenstransfernetzes innerhalb der Schule“  (Mayr, Resinger, & Schratz, 2009, S. 101) entsteht. Auch hier kann der Zusammenhang zur Forschungsfrage der vorliegenden Arbeit gestellt werden, denn der Ansatz und die Ergebnisse von Mayr beschreiben einen ähnlichen Zugang zum Thema der Kollaboration und des Blended Learning. Marija Cubric, Lektorin an der Universität Hetfordshire beschreibt in ihrem Artikel „What is the innovation beyond the „state of the art“ in e-learning?“ sehr klar, dass kollaboratives Lernen im Gruppenkontext stattfindet bzw. „as a result of group interactions, where knowledge is created as it is shared.“ (Cubric, 2011, S. 50). Wesentlich erscheint ihr aber auch die Unterscheidung zwischen kollabrorativem und kooperativem Lernen, wobei für die Entwicklung einer Professionalisierung der Zusammenarbeit innerhalb der Organisation sicher beide Formen einen Fortschritt bringen können. „Collaboration is a philosophy of interaction and personal lifestyle“  (Cubric, 2011, S. 50) Kooperatives Handeln oder Arbeiten dagegen wäre zum Beispiel „ a group of students working together to create a web page.“ (Cubric, 2011, S.50). Das Ende der Zusammenarbeit wäre mit dem Endprodukt der Website absehbar, doch längerfristige Zusammenarbeit erfordert Kollaboration im Team. Gerade deswegen kann die Kollaboration unterstützend wirken, denn eigene Defizite im Bereich Blended Learning können in der Zusammenarbeit mit „Wissensträgern“ ausgeglichen werden.  Dadurch kann es aber auch zu einer Motivation der LehrerInnen führen, denn durch Kollaboration innerhalb der Community of Practice herrscht nicht nur eine gemeinsame Sprache, sondern „gemeinsam erfahrene Geschichten und Empfindungen des regelmäßigen Miteinanders erleichtern und vertiefen die Kommunikation und den sozialen Austausch untereinander.“ (Guretzky, 2007, S. 3)
Bezugnehmend auf das wesentliche Ziel jeder effektiven Zusammenarbeit im Lehrkörper, die Qualität des Unterrichts zu steigern, kann festgestellt werden, „das Reizvolle des Blended Learning ist für die SchülerInnen vor allem die Abwechslung. Der Unterricht wird für sie dadurch unterhaltsamer, spannender, anschaulicher und kreativer.“ (Mayr, Resinger, & Schratz, 2009, S. 110) Diese Tatsache kann wiederum zu einer Steigerung der Qualität von Unterricht bzw. der Organisation führen, denn aus der eben zitierten Untersuchung geht auch hervor, dass gerade im Rahmen von Blended Learning „die klassische Form des Frontalunterrichts zugunsten eines schülerzentrierten Unterrichts aufgebrochen“ (Mayr, Resinger, & Schratz, 2009, S. 111) wird.
Grote und Cordes beschreiben in ihrem Artikel „Web 2.0 als Inhalt und Methode in Fortbilungsangeboten zur E-Kompetenzentwicklung“ recht deutlich, welche Vorteile und positive Auswirkungen gerade der Einsatz des Computers bzw. in weiterer Folge des Web 2.0 auf Kollaboration und Vernetzung innerhalb von LehrerInnen haben kann. Kollaboratives Lernen und „user generated content“  (Grote & Cordes, 2009, S. 202) werden dabei als zentrale Elemente des E-Learnings bzw. Blended Learnings  angesehen.
Zentrale Ergebnisse von Fortbildungsmaßnahmen der Freien Universität Berlin zur E-Kompetenzerweiterung waren dabei:

•         Gemeinsam und kollaborativ erstellte Inhalte
•         Individuelle Lernprozesse werden durch Blended Learning Konzepte unterstützt
•         Lernprozesse werden relflektiert und Erfahrungen weitergegeben
•         Vernetzung wird auf Grund unterschiedlicher Funktionalitäten (Web 2.0) erhöht und Kommunikationsprozesse werden unterstützt
•         Gemeinsame Arbeitsprozesse werden leichter koordiniert (Grote & Cordes, 2009, S. 197 - 205)

Schon von Anbeginn des Internets gehört Kollaboration zu einer der Grundgedanken des World Wide Web , doch haben Ojestersek und Adamus zu Folge „erst aktuelle Entwicklungen, wie Web 2.0-Technologien, diesen Aspekt (neben anderen) wieder in den Mittelpunkt der Betrachtungen“ (Ojstersek & Adamus, 2009, S. 4) gerückt. „Das Neue hierbei ist die Konsequenz, mit der die-ses Prinzip jetzt zum gemeinsamen Wissensaufbau genutzt werden kann.“ (Ojstersek & Adamus, 2009, S. 4)
„Die Idee des Web 2.0 mit dem Grundgedanken der Kollaboration und Vernetzung des Lernens ist für viele zunächst ungewohnt, da sie oft den persönlichen Lernerfahrungen widerspricht, und wird erst dann akzeptiert, wenn der Mehrwert durch die Lernerfahrungen im Rahmen der Fortbildung“ (Grote & Cordes, 2009, S. 207) verdeutlicht wurde. Dieser Mehrwert kann auch in der vorliegenden Organisation einen der Knackpunkte für zukünftige Entwicklungen darstellen, soll aber im empirischen Teil untersucht werden. „Bei einer gelingenden Kollaboration kommt es zu Austausch von bisher ungeteiltem Wissen („distributed knowledge“) und zum Entstehen von geteiltem Wissen („shared knowledge“), da ganz unterschiedliche kognitive Ressourcen und individuelle Expertisen sich gegenseitig befruchten.“ (Wiater, 2007, S. 241 - 242)
Aus:
Blended Learning als Chance der
Wissensvermittlung und Verbesserung
kollaborativer Zusammenarbeit von LehrerInnen

Mittl Oliver

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